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Warum die Schätzungen so weit auseinandergehen
Wenn ich in meiner Mailbox die Frage bekomme, wie groß der deutsche Schwarzmarkt im Online-Glücksspiel ist, gebe ich eine ungewöhnliche Antwort: kommt darauf an, wem man glaubt. Die offiziellen Zahlen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder gehen von einem nicht-lizenzierten Anteil von etwa 25 Prozent am Online-Segment aus. Der Branchenverband DOCV setzt den realen Wert bei rund 50 Prozent an, im Sektor der Online-Slots sogar nur 20 bis 40 Prozent Kanalisierung. Professor Günter Schnabl von der Universität Leipzig kommt in seiner akademischen Auswertung zu noch dramatischeren Zahlen – bis zu 75 Prozent des Bruttospielertrags auf nicht-lizenzierten Plattformen.
Diese Spannweite ist nicht akademisch. Sie übersetzt sich für jeden Klarna-Spieler in eine konkrete Frage: wenn die Hälfte oder mehr der deutschen Online-Glücksspielaktivität außerhalb des lizenzierten Marktes läuft, ist die Wahrscheinlichkeit nicht trivial, dass eine zufällig per Werbung gefundene Casino-Seite keine GGL-Konzession hat. Und dort gilt weder LUGAS, noch OASIS, noch eine deutsche Schlichtungsstelle.
Die offizielle Einschätzung der GGL
Die Aufsichtsbehörde mit Sitz in Halle (Saale) veröffentlicht jährlich einen Tätigkeitsbericht, in dem die Größe des nicht-lizenzierten Anteils geschätzt wird. Für 2024 lag diese Schätzung bei 25 Prozent – drei von vier deutschen Online-Spielern befinden sich nach offizieller Lesart auf einer GGL-konzessionierten Plattform. Vergleichen Sie die Schwarzmarktzahlen der GGL auf unserer Startseite. Im Jahresbericht 2024 dokumentiert die GGL 230 bearbeitete Lizenzanträge und Lizenzanpassungen sowie die Aufsicht über 141 Operatoren.
Parallel zählt die GGL die identifizierten illegalen Angebote. Im Jahr 2024 registrierte die Aufsicht 858 nicht-lizenzierte deutschsprachige Webseiten von 212 Operatoren – ein Anstieg um 14,36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein bemerkenswerter Anstieg, der zeigt, dass die Eingriffe der Behörde nicht in einem ruhigen Umfeld stattfinden – der Markt produziert kontinuierlich neue nicht-lizenzierte Angebote, sowohl durch neue Operatoren als auch durch Mirror-Domains bestehender Anbieter. Die Hauptinstrumente der GGL sind Untersagungsverfügungen, Payment-Blocking-Anordnungen gegenüber Banken und Zahlungsdienstleistern, sowie Geoblocking-Anweisungen an Internet-Provider.
Warum DOCV und die Branche andere Zahlen sehen
Der Deutsche Online Casinoverband sieht die Lage deutlich kritischer. Simon Priglinger-Simader, Vizepräsident des DOCV, hat das Ausmaß in einer einfachen Rechnung dargestellt: es gäbe 400 bis 600 Millionen Euro illegales Online-Glücksspiel und 3 Milliarden Euro legales Online-Glücksspiel, was einem Marktanteil von 20 Prozent für den Schwarzmarkt entspräche. Diese Aussage stammt aus einer DOCV-Stellungnahme bei ICE Barcelona. Die DOCV-Schätzung der realen Kanalisierungsquote liegt also bei rund 50 Prozent, deutlich unter den 77 Prozent, die die GGL für 2025 ausweist.
Im Bereich der Online-Slots ist die Diskrepanz noch dramatischer. DOCV-Präsident Dirk Quermann beziffert die Kanalisierung dort auf 20 bis 40 Prozent – sechs bis acht von zehn deutschen Slot-Spielern wären demnach nicht im lizenzierten Markt unterwegs. Die Branche begründet diese Sicht mit dem Argument, dass die regulatorischen Einschränkungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 – 1 000 Euro Monatslimit, 1 Euro pro Spin, 5 Sekunden Pause, RTP-Drosselung durch die 5,3-Prozent-Einsatzsteuer – die lizenzierten Operatoren gegenüber dem Schwarzmarkt erheblich verteuern. Wer das volle Spielerlebnis ohne diese Einschränkungen sucht, wandert ab.
Die akademische Auswertung Schnabl
Professor Schnabl an der Universität Leipzig kommt in seiner Studie zu noch zugespitzteren Zahlen. Nach seinen Auswertungen aus März 2023 spielten zu diesem Zeitpunkt rund 49,3 Prozent der Online-Spieler in Deutschland auf nicht-lizenzierten Plattformen. Beim Bruttospielertrag – also dem wirtschaftlichen Volumen, das im Online-Glücksspiel bewegt wird – sieht Schnabl sogar etwa 75 Prozent auf dem Schwarzmarkt. Die Diskrepanz zwischen Spieleranteil und Bruttospielertrag erklärt sich damit, dass auf nicht-lizenzierten Plattformen die durchschnittlichen Einsätze pro Spieler deutlich höher liegen – weil das 1 000-Euro-Limit dort nicht greift.
Was bedeutet das praktisch? Wenn die Hälfte der Spieler 75 Prozent des Umsatzes generiert, bedeutet das eine massive Konzentration auf wenige Highroller. Und genau diese Highroller sind aus Spielerschutz-Perspektive die kritische Gruppe – diejenigen, deren Einsätze im lizenzierten Markt schlicht nicht möglich wären. Die akademische Diagnose der Schnabl-Studie ist damit deutlich härter als die offizielle Lesart der GGL.
Was die DGGS-Traffic-Auswertungen zeigen
Eine dritte unabhängige Datenquelle ist der Online Glücksspiel Atlas der Deutschen Gesellschaft für Glücksspiel. Diese Auswertung misst nicht den wirtschaftlichen Umsatz, sondern den Web-Traffic auf identifizierten nicht-lizenzierten deutschsprachigen Casino-Domains. Für 2024 berechnet das Atlas eine mittlere monatliche Besuchsfrequenz von rund 12,07 Millionen auf nicht-lizenzierten Casinos, mit einem Spitzenwert von 16,37 Millionen im November 2024.
12 Millionen monatliche Besuche sind eine Größenordnung, die nicht ignorierbar ist. Sie deutet darauf hin, dass die Schnabl-Schätzung näher an der Realität liegt als die GGL-Schätzung. Ob jeder Besuch einem aktiven Spieler entspricht, ist methodisch eine andere Frage – manche dieser Besuche sind Wiederbesuche derselben Person, andere sind kurze Vergleichsschauen. Aber selbst bei einer konservativen Interpretation ergibt sich ein Markt mit Millionen aktiven Nutzern außerhalb des lizenzierten Rahmens.
Was das für den einzelnen Spieler bedeutet
Wer auf einem nicht-lizenzierten Casino spielt, verliert vier Schutzschichten gleichzeitig. Meiden Sie illegale Anbieter und lesen Sie über Sofortüberweisung in Casino ohne deutsche Lizenz – riskant. Erstens: OASIS. Eine eingerichtete Selbstsperre wirkt nur in lizenzierten Häusern – die nicht-lizenzierte Plattform fragt die Sperrdatei nicht ab und akzeptiert den Spieler trotzdem. Wer sich gerade selbst gesperrt hat, kann auf einer Schwarzmarkt-Seite die Sperre faktisch umgehen, was die OASIS-Logik vollständig aushebelt. Zweitens: LUGAS. Das anbieterübergreifende 1 000-Euro-Monatslimit existiert in nicht-lizenzierten Häusern nicht. Wer dort spielt, kann fünfstellige Summen pro Monat einsetzen – etwas, das im lizenzierten Markt regulatorisch nicht möglich ist.
Drittens: KYC und AML. Nicht-lizenzierte Operatoren unterliegen keiner deutschen Verifizierungspflicht; sie können – und tun es oft – auf eine richtige Identitätsprüfung verzichten, was bei Auszahlungen über höhere Beträge zu Quellenprüfungen Probleme machen kann. Viertens: zivilrechtliche Verträge. Verträge mit nicht-lizenzierten Anbietern sind nach § 134 BGB nichtig – was für den Spieler die Rückforderung erleichtert, gleichzeitig aber dokumentiert, dass er sich auf einen illegalen Vertrag eingelassen hat. Eine vertiefte rechtliche Einordnung findet sich im Beitrag zu Sofortüberweisung in einem Casino ohne deutsche Lizenz.
Eine fünfte, oft vergessene Konsequenz betrifft das Steuerwesen. Auf nicht-lizenzierten Plattformen erzielte Gewinne sind aus deutscher Sicht nicht „Glücksspielgewinne aus regulierten Veranstaltungen“, sondern können in komplizierte Konstellationen geraten. Die deutsche Finanzverwaltung hat in mehreren Verfügungen klargestellt, dass Gewinne aus illegalen Glücksspielen anders zu bewerten sind als aus lizenzierten Quellen. Wer fünfstellige Summen aus einer nicht-lizenzierten Plattform auf sein deutsches Bankkonto bekommt, muss bei Bank-Rückfragen erklärbare Belege vorweisen. Das fällt erfahrungsgemäß umso schwerer, je weniger die Quelle der Mittel im lizenzierten Markt sichtbar ist.
Warum geben Branche und Aufsichtsbehörde so unterschiedliche Schwarzmarktquoten an?
Die GGL misst aus regulatorischer Perspektive den Anteil identifizierter illegaler Anbieter, während DOCV und akademische Studien wie Schnabl auch die wirtschaftliche Volumendynamik einbeziehen. Hinzu kommen unterschiedliche Definitionen – Spieler oder Bruttospielertrag – und unterschiedliche Methodiken.
Wie erkennt mein Browser oder Banking-System ein illegales Casino vor der Überweisung?
Aktuelle Browser haben keine eingebaute Glücksspiel-Erkennung. Die Banking-Seite zeigt seit Oktober 2025 die Empfängerüberprüfung an, was bei abweichenden Empfängernamen ein Indiz sein kann. Sichere Methode bleibt die Prüfung in der GGL-Whitelist vor der Buchung.