Steuer auf virtuelle Automatenspiele: 5,3 % im Check

Updated Juli 2026
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Virtuelle Automatensteuer im deutschen Online-Glücksspiel und ihre Effekte

Worum es bei dieser Steuer wirklich geht

Die virtuelle Automatensteuer ist eine der ungewöhnlichsten Glücksspielsteuern in Europa. Sie wird nicht auf den Gewinn des Casinos erhoben, nicht auf den Verlust des Spielers, nicht auf den Bruttospielertrag, sondern auf den Einsatz pro Spiel. Bei einer Steuerquote von 5,3 Prozent nach § 36 ff. des Rennwett- und Lotteriegesetzes bedeutet das: jeder Euro, der in einem deutschen GGL-Casino an einem virtuellen Automatenspiel eingesetzt wird, zieht 5,3 Cent Steuer nach sich – egal, ob der Spieler gewinnt, verliert oder Einsätze hin- und hergeschoben werden.

Diese Konstruktion hat eine erhebliche Wirkung auf das Geschäftsmodell der Operatoren und auf die Spielerfahrung der Casino-Nutzer. Erfahren Sie mehr über gesetzliche Abgaben für Automatenspiele auf der Startseite. Sie ist nicht „irgendwo im Hintergrund“, sondern wirkt direkt auf die Auszahlungsquote der Slots, auf die Margen der Anbieter und auf die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber nicht-lizenzierten Plattformen. Wer verstehen will, warum deutsche GGL-Slots eine niedrigere RTP haben als ähnliche Spiele auf Malta, muss bei dieser Steuer ansetzen.

Wie die Berechnung in der Praxis aussieht

Ein konkretes Beispiel veranschaulicht den Effekt. Ein Spieler setzt 100 Euro in einer Slot-Sitzung in einem deutschen GGL-Casino ein. Im Verlauf der Sitzung dreht er 100 Spins zu je einem Euro Einsatz. Bei einer durchschnittlichen RTP des Spiels von 96 Prozent erhält er statistisch 96 Euro zurück und verliert 4 Euro. Diese 4 Euro sind das Bruttospielergebnis aus Sicht des Casinos – die Differenz zwischen Einsatz und Ausschüttung.

Die Steuer wird aber nicht auf diese 4 Euro erhoben, sondern auf den vollen Einsatz von 100 Euro. 5,3 Prozent davon sind 5,30 Euro Steuer, die der Operator an das Finanzamt abführt. Vom verbleibenden Bruttospielergebnis von 4 Euro abgezogen ergibt sich rechnerisch ein negativer Saldo von minus 1,30 Euro – der Operator hat unterm Strich auf diese Sitzung Verlust gemacht. In der Realität gleicht sich das über viele Spieler und viele Sitzungen aus, weil das BSE über alle Spieler gemittelt höher liegt als die Steuerlast pro Sitzung. Aber der Effekt zeigt, warum die deutschen GGL-Operatoren mit deutlich engeren Margen rechnen als ihre Mitbewerber außerhalb der GlüStV-Regulierung.

Wie sich das Steueraufkommen seit 2022 entwickelt hat

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig die Steuereinnahmen aus der virtuellen Automatenspielsteuer, und die Entwicklung ist bemerkenswert. 2022, im ersten vollständigen Jahr nach Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021, lagen die Einnahmen bei 430 Millionen Euro. 2023 sanken sie auf 264 Millionen – ein Rückgang um 38,5 Prozent in einem einzigen Jahr. 2024 sanken sie weiter auf rund 214 Millionen Euro.

Diese Entwicklung ist auf den ersten Blick verwirrend. Eine neue Steuer, die zwei Jahre in Folge fast halbiert wird, deutet auf eines von zwei Szenarien hin: entweder das besteuerte Spielvolumen ist tatsächlich gesunken, oder ein erheblicher Teil davon hat sich in nicht-besteuerte Bereiche verlagert. Die zweite Lesart ist aus Branchensicht die plausiblere. Simon Priglinger-Simader vom DOCV hat das Volumen in einer einfachen Rechnung skizziert: es gäbe 400 bis 600 Millionen Euro illegales Online-Glücksspiel und 3 Milliarden Euro legales Online-Glücksspiel, was einem Marktanteil von 20 Prozent für den Schwarzmarkt entspräche. Die akademische Schätzung von Professor Schnabl geht sogar von bis zu 75 Prozent BSE im nicht-lizenzierten Bereich aus. Wenn ein nennenswerter Teil des Spielvolumens dort stattfindet, wo die deutsche Steuer nicht greift, sinken die Steuereinnahmen genau in der beobachteten Größenordnung.

Warum die Steuereinnahmen sinken – und was das politisch bedeutet

Der Rückgang um über 200 Millionen Euro in zwei Jahren ist nicht nur eine fiskalische Auffälligkeit, sondern ein Hinweis auf die Schwierigkeiten der Kanalisierungsstrategie. Wenn die Steuereinnahmen in einer Sparte sinken, in der das Spielinteresse insgesamt nicht zurückgegangen ist, deutet das auf eine Verschiebung in nicht-erfasste Bereiche hin. Die GGL hat darauf reagiert, indem sie ihre Eingriffsinstrumente – Untersagungsverfügungen, Payment-Blocking, Geoblocking – verstärkt einsetzt. Im Jahr 2024 wurden 858 nicht-lizenzierte deutschsprachige Casino-Webseiten von 212 Operatoren identifiziert, ein Anstieg um 14,36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für den lizenzierten Operator bedeutet die Steuer einen permanenten Margendruck. Die einzige Reaktionsmöglichkeit ist eine Anpassung der Auszahlungsquote: wer 5,3 Prozent vom Einsatz als Steuer abführen muss, kann die RTP nicht auf das Niveau der nicht-besteuerten Spiele halten. Deutsche GGL-Slots haben in der Regel eine RTP zwischen 94 und 96 Prozent – Slots derselben Hersteller außerhalb Deutschlands erreichen oft 96 bis 98 Prozent. Diese ein bis zwei Prozentpunkte Differenz sind statistisch erheblich.

Aus politischer Perspektive entsteht ein Dilemma. Eine Senkung der Steuer würde die lizenzierten Operatoren entlasten und die Kanalisierung in den lizenzierten Markt erhöhen – gleichzeitig würde sie die Glücksspielsteuer als fiskalisches Instrument schwächen. Eine Beibehaltung der aktuellen Quote stabilisiert den Steuerertrag pro Einsatz, drückt aber das gesamte besteuerbare Volumen, weil mehr Spieler in den Schwarzmarkt abwandern. Eine politische Entscheidung in die eine oder andere Richtung gilt seit Anfang 2025 als nicht akut bevorstehend.

Was die Steuer für den RTP-Wert bedeutet

Die Auszahlungsquote – Return to Player – beschreibt, welcher Anteil der Einsätze über sehr viele Spins als Gewinn an die Spieler zurückfließt. Bei einer RTP von 95 Prozent erhält der Spieler im langfristigen Mittel 95 Euro auf je 100 Euro Einsatz zurück, der Operator behält 5 Euro als Bruttospielergebnis. Nach Abzug der 5,3 Prozent Einsatzsteuer hat der Operator damit gerechnet eine negative Rendite – er kann die Sparte nur über große Volumen, Spielerschutz-Optimierung und Cross-Selling rentabel halten.

Deshalb sehen wir im deutschen GGL-Markt eine systematische Verschiebung der Slot-Konfiguration: Spielzyklen mit kürzeren Volatilitätsphasen, häufigeren kleinen Gewinnen statt seltener Großgewinne, und konsequente Anwendung der 1-Euro-Spin-Grenze. Beachten Sie die gesetzlichen Pausen und die 1 Euro pro Spin und 5 Sekunden Pause – GlüStV 2021 erklärt. Diese Konstruktion macht die Spiele für viele Spieler vorhersehbarer und ruhiger – und für Highroller weniger attraktiv. Eine vertiefte Auswertung des Schwarzmarkt-Effekts und der Kanalisierungsfrage gibt es im Beitrag zum Schwarzmarkt im deutschen Online-Glücksspiel.

Online-Poker zum Vergleich

Online-Poker wird in Deutschland nach einer eigenen Regelung besteuert. Die Einnahmen aus dieser Sparte lagen 2022 bei rund 33 Millionen Euro und sanken 2023 auf 30 Millionen – ein deutlich moderaterer Rückgang als bei den virtuellen Automatenspielen. Das spiegelt zwei Tatsachen wider: erstens ist die Poker-Sparte volumenmäßig deutlich kleiner; zweitens ist die Verlagerung in den Schwarzmarkt bei Poker weniger ausgeprägt, weil internationale Poker-Plattformen die deutschen Spieler ohnehin selten gezielt ausschließen.

Die Gesamteinnahmen aus Glücksspielsteuern in Deutschland lagen 2023 bei rund 2,48 Milliarden Euro, ein Rückgang um 3,6 Prozent gegenüber 2022. In dieser Gesamtsumme ist die virtuelle Automatensteuer einer von mehreren Posten, neben Lotteriesteuer, Sportwettensteuer und Spielbankenabgabe. Der überproportionale Rückgang im Automatensegment hebt sich also vom Gesamtbild deutlich ab und ist nicht durch eine allgemeine Glücksspielmüdigkeit zu erklären – er ist spezifisch.

Muss ich als Spieler die 5,3-Prozent-Steuer separat angeben?

Nein. Die Steuer wird vom Operator an das Finanzamt abgeführt. Für den Spieler ist sie im Einsatz bereits enthalten und drückt sich vor allem in einer niedrigeren Auszahlungsquote aus.

Warum sind die Steuereinnahmen aus virtuellen Automatenspielen drei Jahre in Folge gesunken?

Der wesentliche Treiber ist die Verlagerung des Spielvolumens in nicht-lizenzierte Plattformen, auf denen die deutsche Einsatzsteuer nicht greift. Branchenverbände und akademische Studien schätzen den Schwarzmarktanteil zwischen 25 und 75 Prozent – je nach Methodik.

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