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Was Giropay einmal war und warum es nicht mehr da ist
Wenn ein langjähriger Casino-Spieler heute in einem deutschen GGL-Casino nach Giropay sucht, findet er es nicht mehr. Das ist keine Mandanten-Entscheidung des einzelnen Operators, sondern eine Marktrealität: Giropay wurde am 30. Juni 2024 endgültig eingestellt. Erfahre alles über den ehemaligen Online-Bezahldienst der Banken auf der Startseite. Damit endete die letzte ernsthafte deutsche Banken-Initiative gegen die Übermacht von Klarna im Online-Zahlungsmarkt. Für das deutsche Casino-Segment war Giropay ohnehin nie eine dominante Schiene, aber es war für eine kleine Gruppe sicherheitsbewusster Spieler eine Alternative, deren Wegfall heute eine Lücke im Auswahlmenü hinterlässt.
Die Geschichte ist lehrreich, weil sie zeigt, wie schwer es ein bankengetriebenes Push-Verfahren gegen ein privates Payment-Unternehmen wie Klarna hat. Mit der Einstellung von Giropay konzentrierte sich der Markt noch einmal stärker auf Klarna – eine Entwicklung, die im Casino-Sektor unmittelbar sichtbar wurde. Im H1 2024 lag der Klarna-Anteil im deutschen Online-Zahlungsmarkt noch bei 4,5 Prozent, in H2 2025 stieg er auf 14 Prozent, in H1 2026 nach Verschärfung der CCD II korrigiert er sich auf 11,7 Prozent. Der Giropay-Wegfall war ein Treiber dieser Konzentration.
Was Giropay technisch und organisatorisch war
Giropay ging 2005 als gemeinsames Joint Venture der Sparkassen-Finanzgruppe, des Bundesverbands deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Postbank an den Start. Das Verfahren war von Anfang an als deutsche Antwort auf das schwedische Sofort gedacht: ein Bank-Push-Verfahren, das den Online-Händler in Sekunden über eine erfolgte Überweisung informiert, ohne dass der Spieler seine Banking-Anmeldedaten an einen Drittanbieter geben musste. Vergleiche dessen Entwicklung mit der Erfolgsgeschichte in Sofortüberweisung Geschichte – von SOFORT GmbH zu Klarna.
Technisch funktionierte Giropay so: der Spieler wählte Giropay als Zahlungsmethode, gab seine Bankleitzahl oder seinen BIC ein, wurde auf die Online-Banking-Seite seiner Hausbank umgeleitet, autorisierte dort die Buchung mit seinem TAN-Verfahren, und kehrte mit einer bestätigten Buchung zum Händler zurück. Aus regulatorischer Sicht war Giropay eleganter als Sofortüberweisung, weil keine Drittanbieter-Eingabe von Anmeldedaten erforderlich war – die Authentifizierung lief direkt auf den Bank-Servern. Diese Sauberkeit war ein wichtiges Argument gegenüber Verbraucherschützern, die das frühe Sofort-Verfahren kritisierten.
Warum die Einstellung 2024 erfolgte
Die Einstellung am 30. Juni 2024 kam nicht überraschend. Mehrere Faktoren wirkten zusammen. Erstens: der Marktanteil. Giropay erreichte im deutschen E-Commerce in seinen besten Jahren etwa zwei bis drei Prozent – gemessen am Volumen, das Klarna und PayPal erreichten, eine Nischenposition. Zweitens: die Implementierungskosten. Giropay verlangte von Online-Händlern eine spezifische Integration, die parallel zu den anderen Zahlungsmethoden gepflegt werden musste. Für viele Operatoren war der Aufwand-Nutzen-Vergleich ungünstig.
Drittens: die wirtschaftliche Logik der Trägerbanken. Die Sparkassen und Volksbanken hatten mit Giropay nie ein eigenständig profitables Geschäft, sondern eine strategische Position gegen die Übermacht der amerikanischen und schwedischen Zahlungsdienstleister. Als sich abzeichnete, dass diese Position nicht zu halten war, fiel die Entscheidung pragmatisch. Im selben Zeitraum stieg die deutsche Glücksspielsteuer aus virtuellen Automatenspielen von 264 Millionen Euro 2023 auf 214 Millionen 2024 – die Marktverschiebung ging also nicht nur im E-Commerce, sondern auch im iGaming weiter, und Giropay war für diese Verschiebung nicht das richtige Werkzeug.
Viertens: die Open-Banking-Konkurrenz. Mit der vollständigen Etablierung der XS2A-Schnittstellen nach PSD2 hatten Drittanbieter wie Klarna inzwischen direkten Zugriff auf alle deutschen Banken-Konten. Die strategische Differenzierung von Giropay – keine Drittanbieter-Logins – wirkte ab 2020 antiquiert. Klarna hatte die regulatorische Sauberkeit über die PISP-Lizenz erreicht; das Argument der Trägerbanken war damit weitgehend entkräftet.
Was vom System übrig blieb
Mit dem 30. Juni 2024 lief Giropay nicht abrupt ab, sondern wurde gestreckt eingestellt. Bereits aktive Buchungen wurden noch abgewickelt, neue Mandantenintegrationen nicht mehr angeboten. Für Casino-Operatoren, die Giropay als Auswahlmethode anboten, bedeutete das eine schrittweise Deaktivierung der Option im Checkout. In den ersten Wochen blieb die Schaltfläche noch sichtbar, gab aber bei Klick eine Fehlermeldung aus; später wurde sie aus dem Frontend entfernt.
Übrig blieb die Marke Paydirekt – der Vorgänger von Giropay, der 2015 als getrenntes Verfahren der gleichen Trägerbanken gestartet war und 2021 in Giropay integriert wurde. Mit der Einstellung wurde auch dieser Markenname zurückgenommen; in den Casino-Kassen sind heute weder Giropay noch Paydirekt zu finden. Die Spieler, die das Verfahren historisch genutzt hatten, sind in der Regel auf Klarna oder klassische SEPA-Überweisung gewechselt.
Welche Casinos Giropay noch angeboten hatten
In der Hochphase zwischen 2022 und 2023 boten etwa fünf bis acht GGL-konzessionierte deutsche Online-Casinos Giropay als zusätzliche Einzahlungsmethode an. Es war nie eine flächendeckende Verfügbarkeit, sondern eine ergänzende Option für Spieler, die explizit eine deutsche Banken-Schiene bevorzugten. Mit der Einstellung wurde diese Auswahl in den betreffenden Häusern entfernt, ohne dass die Operatoren Ersatz-Verfahren mit derselben Sicherheitsphilosophie einführen konnten – die einzige verbliebene Alternative war die klassische SEPA-Überweisung, die aber nicht in Sekunden bestätigt wird, sondern erst nach Eingang beim Empfänger.
Wer heute eine Casino-Einzahlung mit dem Wunsch tätigt, das Verfahren nicht über Klarna zu leiten, hat einige Optionen – von SEPA-Instant über Karte bis zu Trustly im sehr begrenzten Umfang. Eine ergänzende Auswertung dieser Auswahl gibt es im Beitrag zu Alternativen zur Sofortüberweisung im Casino.
Was die Geschichte für den deutschen Payment-Markt zeigt
Die Lehre aus Giropays Geschichte ist nicht primär technisch, sondern strategisch. Eine bankengetriebene Allianz hat es im deutschen Online-Zahlungsmarkt schwer gegen private Payment-Spezialisten – selbst wenn die regulatorische und sicherheitsbezogene Logik auf ihrer Seite ist. Klarna gewann nicht, weil sein Verfahren technisch überlegen war, sondern weil es schneller auf Mandantenwünsche reagieren konnte, frühere Marken-Investitionen gemacht hatte und durch die Sofort-Übernahme einen deutschen Marktkern besaß. Giropay verlor nicht, weil es schlechter war, sondern weil es nicht in derselben Geschwindigkeit Skala aufbauen konnte. Für den Casino-Markt bedeutet das eine Konzentration auf wenige große Schienen – eine Marktstruktur, die regulatorisch leichter zu kontrollieren, im Wettbewerb aber weniger lebendig ist.
Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob noch eine weitere bankengetriebene Initiative im deutschen Markt versuchen wird, gegen Klarna anzutreten. Die EPI – European Payments Initiative – und ihre Marke Wero versuchen genau das auf europäischer Ebene. Sie bündelt die Banken-Koalitionen aus mehreren EU-Mitgliedstaaten und baut auf der SCT-Inst-Infrastruktur auf. Ob sie im Casino-Sektor relevant wird, ist offen – die ersten Mandantenintegrationen liefen 2025 an, aber GGL-konzessionierte deutsche Online-Casinos haben Wero in der Kasse noch nicht in nennenswertem Umfang aufgenommen.
Die nüchterne Bilanz: das Giropay-Modell hat im deutschen Payment-Markt einen Lerneffekt hinterlassen, aber kein nachhaltiges Geschäft. Sparkassen und Volksbanken haben ihre strategischen Investitionen in das Verfahren abgeschrieben und konzentrieren sich heute auf Verbesserungen ihrer eigenen Banking-Apps und SCT-Inst-Implementierungen. Das ist nicht der spektakuläre Triumph einer bankengetriebenen Initiative, aber pragmatisch der richtige Schritt – wer im Online-Zahlungsmarkt nicht skalieren kann, sollte die Energie in das eigene Kerngeschäft stecken.
Gibt es einen direkten Nachfolger von Giropay in deutschen GGL-Casinos?
Nein. Es gibt keinen direkten Nachfolger mit derselben Architektur – Bank-Push-Verfahren ohne Drittanbieter-Login. SEPA-Instant nach der EU-Verordnung 2024/886 kommt der Idee am nächsten, ist aber kein Casino-spezifisches Produkt.
Was geschah mit aktiven Giropay-Buchungen nach dem 30. Juni 2024?
Buchungen, die vor diesem Datum initiiert und noch nicht abgeschlossen waren, wurden ordnungsgemäß abgewickelt. Neue Buchungen waren ab dem Stichtag nicht mehr möglich. Casino-Operatoren entfernten die Option innerhalb weniger Wochen aus ihren Checkouts.