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Warum sich der Blick auf die Vergangenheit dieses Verfahrens lohnt
Wenn ich Lesern erkläre, was Sofortüberweisung heute im Casino bedeutet, hilft ein Blick in ihre Vorgeschichte mehr als die meisten technischen Erklärungen. Die Sofortüberweisung ist nicht aus einer Banken-Allianz hervorgegangen und auch nicht aus einer Brüsseler Richtlinie. Sie entstand 2005 als Münchner Startup mit einer einfachen Idee: einen Online-Händler in dem Moment, in dem der Kunde im Checkout steht, die Sicherheit über eine erfolgte Banküberweisung zu geben – bevor der klassische SEPA-Lauf am nächsten Werktag abgeschlossen ist. Daraus wurde innerhalb von zwei Jahrzehnten eine paneuropäische Infrastruktur, die im deutschen iGaming-Markt bis heute eine Schlüsselrolle spielt.
Der Bogen dieser Geschichte hat drei klare Etappen: die Gründungsphase als unabhängiges deutsches Payment-Startup von 2005 bis 2014, der Verkauf an Klarna im Sommer 2014, und die endgültige Integration in Klarna Pay Now im Juli 2024. Jede Etappe hat Spuren hinterlassen, die im heutigen Casino-Checkout noch sichtbar sind – angefangen beim Knopf, der bei manchen Operatoren noch immer „Sofortüberweisung“ heißt, obwohl technisch längst Klarna im Hintergrund läuft.
2005 – die Gründung in München
Das Unternehmen wurde 2005 in München als Payment Networks AG ins Handelsregister eingetragen, gegründet von Christoph Klein. Der ursprüngliche Markenname „Sofortüberweisung“ kam erst kurz darauf, nachdem die ersten Onlineshops das Produkt unter dem prägnanten deutschen Namen einsetzten – sehr viel zugänglicher als das technische „Direct Bank Payment“.
Die Idee war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Vor Sofortüberweisung lief eine Banküberweisung im Onlinehandel über zwei Tage: der Kunde löste die Buchung aus, der Händler wartete auf den Eingang, erst dann ging die Ware raus. Sofortüberweisung schob sich in diese Lücke ein – der Kunde gab im Checkout seine Online-Banking-Anmeldedaten an Sofort weiter, Sofort loggte sich in seinem Namen ein, löste die Buchung aus und meldete dem Händler den erfolgreichen Vorgang. Aus heutiger Sicht ist diese Konstruktion juristisch kompliziert – die Eingabe von Banking-Anmeldedaten an einen Drittanbieter widersprach den AGB der meisten deutschen Banken. Es entstanden über Jahre Auseinandersetzungen mit dem Verbraucherschutz und einzelnen Banken, die mit dem Verfahren nicht einverstanden waren.
Trotz dieser rechtlichen Grauzone wuchs die Sofortüberweisung. Bis 2014 hatte sie in der deutschen E-Commerce-Landschaft einen Stellenwert erreicht, der über 35 000 Mandanten umfasste. Sie war einer der ersten echten Open-Banking-Anwendungsfälle Europas – Jahre bevor das Konzept einen offiziellen Namen bekam.
2014 – die Übernahme durch Klarna
Im Sommer 2014 kaufte der schwedische Zahlungsspezialist Klarna die SOFORT GmbH. Die Transaktion wurde laut Branchenberichten mit einem Volumen von rund 150 Millionen Euro bewertet, andere Quellen sprachen von einem höheren dreistelligen Millionenbereich, wenn man Earn-out-Komponenten einrechnet. Für Klarna war das ein strategischer Sprung: das schwedische Unternehmen brauchte Zugang zum deutschen Markt mit seiner spezifischen Banking-Landschaft, und SOFORT lieferte sowohl die Technologie als auch die Mandantenbeziehungen.
Was bemerkenswert war: Klarna integrierte SOFORT nicht sofort. Stattdessen lief die Marke „Sofortüberweisung“ über fast ein Jahrzehnt parallel zu den Klarna-Produkten weiter. Ein Käufer in einem Onlineshop konnte 2017 in der Kasse entweder „Klarna Pay Now“, „Klarna Rechnung“, „Klarna Ratenkauf“ – oder „Sofortüberweisung“ als separate Option sehen, obwohl es im Hintergrund alles dieselbe Konzernfamilie war. Diese Parallelstruktur hatte zwei Gründe: zum einen war „Sofortüberweisung“ in Deutschland ein stark eingeführter Begriff, den Klarna nicht riskieren wollte zu beschädigen. Zum anderen bewegte sich Klarnas Markenstrategie damals stärker in Richtung Pay-Later und Konsumkredit, was nicht zur klassischen Bank-Push-Buchung der Sofortüberweisung passte.
2017 bis 2023 – die lange Phase der Parallelität
In diesen sechs Jahren liefen die beiden Marken nebeneinander her. Im Hintergrund vereinheitlichte Klarna aber bereits die Technologie. Die XS2A-Schnittstelle, die durch PSD2 ab 2018 verpflichtend wurde, integrierte Klarna für alle seine Produkte einschließlich Sofortüberweisung in einen gemeinsamen Tech-Stack. Auch die regulatorische Lizenz lief über die Klarna Bank AB – das schwedische Bankhaus, das die SOFORT GmbH 2017 in eine reine Markenhülle verwandelte, ohne dass dies für die Mandanten oder Endkunden sichtbar wurde.
Aus Sicht eines deutschen Onlinehändlers oder Casino-Operators war diese Phase einerseits bequem – „Sofortüberweisung“ blieb als bekannter Name verfügbar – andererseits verwirrend, weil zwei vertragliche Strukturen, zwei AGB-Stände und zwei Rechnungssysteme parallel liefen. Klarna nutzte die Zeit, um die Mandantenbasis von SOFORT in die eigene Vertragsstruktur zu überführen. Ende 2023 war die Migration weit genug fortgeschritten, dass die endgültige Integration angekündigt wurde.
Juli 2024 – die endgültige Integration in Klarna Pay Now
Im Juli 2024 war es soweit. Die Marke „Sofortüberweisung“ wurde formal in Klarna Pay Now überführt. Mandanten erhielten Anpassungsverträge, die alten Sofort-Logos wurden in den Casino-Kassen und Onlineshops sukzessive durch Klarna-Branding ersetzt. Das war kein einfacher Switch, sondern ein über Monate gestreckter Übergang, weil viele Mandanten ihre Frontends manuell anpassen mussten.
Der wirtschaftliche Erfolg der Integration zeigt sich in den Klarna-Zahlen. Der Anteil von Klarna an deutschen Online-Zahlungen lag in H1 2024 noch bei 4,5 Prozent, stieg in H2 2025 auf 14 Prozent und korrigierte sich in H1 2026 – nach Verschärfung der CCD II – auf 11,7 Prozent. Im selben Zeitraum erreichte der Klarna-Konzern zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Jahresgewinn – 142 Millionen schwedische Kronen bei einem Umsatz von 25,4 Milliarden Kronen. Der deutsche Markt – und das ehemalige SOFORT-Geschäft als Teil davon – war ein wesentlicher Treiber dieser Verschiebung.
Was im Casino-Checkout vom alten Namen blieb
Wer 2026 in einer Casino-Kasse einen Button mit „Sofortüberweisung“ sieht, sieht im Hintergrund Klarna Pay Now. Der Name blieb, weil Mandantenfrontends nicht von einer einzigen Konzernentscheidung gleichzeitig umgestellt werden können – und weil „Sofort“ in Deutschland mehr Wiedererkennung hat als „Klarna Pay Now“. Die Markenbekanntheit von Klarna in Deutschland liegt mit 85 Prozent auf Platz zwei der digitalen Bezahldienste, hinter PayPal mit 95 Prozent, was die Notwendigkeit des Marken-Brückenschlags zeigt. Die operative Schiene ist heute durchgängig dieselbe – eine eingehende Klarna-Buchung über XS2A, mit allen technischen, regulatorischen und Compliance-Eigenschaften, die das System mit sich bringt. Eine ergänzende Einordnung des heutigen Klarna-Standes findet sich in der zentralen Übersicht zu Klarna im Casino.
Wer den Wandel der zwanzig Jahre in einer Linie sehen will, sieht eine sehr deutsche Geschichte: ein Münchner Startup mit einer pragmatischen Idee, ein langer regulatorischer Pfad durch graue Zonen, ein internationaler Käufer, ein paralleler Markenlauf, eine endgültige Integration. Dass am Ende ein schwedisches Bankhaus eine deutsche Marke übernimmt und gleichzeitig die deutsche Online-Zahlungslandschaft prägt, ist nicht zufällig – es spiegelt die Konzentration des europäischen Payment-Sektors um wenige Akteure mit vollständigen Banklizenzen wider. Für Casino-Spieler ist die Konsequenz pragmatisch: das Verfahren ist heute regulierter, stabiler und marktwirtschaftlich solider als zu jeder Zeit seiner Geschichte.
Warum heißt der Button im Casino-Checkout 2026 manchmal noch ‚Sofort‘?
Der Name ‚Sofortüberweisung‘ hat in Deutschland eine über zwanzigjährige Wiedererkennung. Viele Operatoren behalten ihn aus Marketinggründen bei, obwohl im Hintergrund Klarna Pay Now läuft. Die technische und vertragliche Schiene ist identisch.
Hat Klarna die Münchner Niederlassung von SOFORT GmbH erhalten?
Der ursprüngliche SOFORT-Standort in München wurde nach der Übernahme als Klarna-Niederlassung weitergeführt. Mit der vollständigen Integration in Klarna Pay Now 2024 ist die operative Bedeutung des Standorts allerdings geringer geworden – der Konzernhauptsitz liegt in Stockholm.