Glücksspiel-Survey 2025: Studienergebnisse im Check

Updated Juli 2026
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Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2025 zur deutschen Spielerlandschaft

Warum dieser Survey eine eigene Auswertung wert ist

Der Glücksspiel-Survey 2025 ist die aktuell zuverlässigste empirische Quelle für die deutsche Spielerlandschaft. Erhoben vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg in Kooperation mit der Universität Bremen, basiert er auf einer repräsentativen Befragung von rund 12 000 Personen zwischen 18 und 70 Jahren. Die Daten geben ein Bild, das wesentlich präziser ist als die mediale Berichterstattung – und in einigen Punkten überraschender, als viele Branchenbeobachter erwartet hatten. Verfolgen Sie die wissenschaftlichen Berichte zum Spielverhalten über unsere Hauptseite.

Zwei Befunde stechen besonders heraus. Erstens: die Verbreitung problematischen Spielverhaltens nach DSM-5 ist mit 2,2 Prozent geringfügig niedriger als 2023 mit 2,4 Prozent – was nicht heißt, dass das Problem kleiner geworden ist, aber zumindest keine Eskalation zeigt. Zweitens: Daytrading wurde zum ersten Mal als eigenständige Kategorie in die Erhebung aufgenommen, und 12,1 Prozent der monatlich aktiven Daytrader erfüllen die DSM-5-Kriterien einer Glücksspielstörung. Diese Zahl ist methodisch ein Paukenschlag.

Wie die Erhebung methodisch aufgesetzt war

Die Untersuchung folgte einer dual-mode-Methodik: telefonische Befragungen und Online-Fragebögen, ergänzt um eine kleinere Anzahl persönlicher Interviews zur Kalibrierung. Die Stichprobe umfasste rund 12 000 Personen zwischen 18 und 70 Jahren und war nach Geschlecht, Alter, Bildung und Region repräsentativ für die deutsche Bevölkerung gewichtet.

Inhaltlich orientierte sich die Erhebung am DSM-5, der fünften Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, das international die Standard-Kriterien für eine Glücksspielstörung definiert. Wer mehrere der neun Kriterien erfüllt – wiederholtes Bedürfnis nach immer höheren Einsätzen, Unruhe bei Spielversuchsabbruch, wiederholtes erfolgloses Bemühen um Reduktion, häufiges Beschäftigtsein mit Glücksspiel, Spielen zur Bewältigung negativer Stimmungen, Chasing-Verhalten, Lügen über das Ausmaß des Spielens, Verlust wichtiger Beziehungen oder Chancen durch das Spielen, finanzielle Belastung durch andere – wird als pathologischer oder problematischer Spieler klassifiziert. Dr. Jens Kalke, Projektleiter der ISD, fasste den Zweck der Erhebung knapp zusammen: der Glücksspiel-Survey 2025 soll dazu beitragen, das Wissen über die Art und Intensität der Teilnahme am Glücksspiel und die damit in Zusammenhang stehenden Probleme weiter zu vertiefen. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Untersuchung können Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden.

Wer spielt in Deutschland und wie viel

36,4 Prozent der Befragten – also über ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung – gaben an, in den letzten zwölf Monaten an mindestens einer Form von Glücksspiel teilgenommen zu haben. Das umfasst Lotterien, Sportwetten, Spielautomaten, Casino-Spiele und Online-Poker. Die Zahl wirkt zunächst hoch, ist aber im historischen Vergleich relativ stabil – Lotterien allein erreichen seit Jahrzehnten eine ähnliche Teilnahmequote.

Differenzierter wird das Bild, wenn man die Teilnahmequote nach Spielform aufschlüsselt. 7,5 Prozent der Erwachsenen spielten in den letzten zwölf Monaten Spielformen, die der Survey als „risikoassoziiert“ einstuft – also Spielautomaten, Casino-Spiele, Sportwetten oder KENO. Diese Spielformen sind diejenigen, deren Frequenz und Auszahlungsmechanik in der empirischen Forschung am häufigsten mit problematischem Spielverhalten korrelieren. Die übrigen 28,9 Prozent spielen primär Lotterien – eine niedrigfrequenzielle Spielform mit langen Pausen zwischen Einsätzen, die psychologisch eine andere Struktur hat als ein Slot-Spiel.

Wie verbreitet pathologisches Spielen tatsächlich ist

2,2 Prozent der 18- bis 70-jährigen Deutschen erfüllen die diagnostischen Kriterien einer Glücksspielstörung nach DSM-5. Auf Deutschland hochgerechnet sind das etwa 1,2 Millionen Menschen. Die Differenzierung nach Geschlecht ist erheblich: bei Männern liegt die Quote bei 3,2 Prozent, bei Frauen nur bei 1,1 Prozent – Männer sind also fast dreimal so häufig betroffen.

Die Altersverteilung ist weniger steil als oft angenommen. Während die Vermutung gerne lautet, dass junge Männer überproportional gefährdet seien, zeigt der Survey eine breitere Verteilung mit Schwerpunkten in den mittleren Altersgruppen. Die kritische Variable ist nicht so sehr das Alter, sondern die Verfügbarkeit von Zeit und Einsatzmitteln in Verbindung mit anderen Risikofaktoren wie psychischer Belastung, Einsamkeit oder familiärer Vorgeschichte. Gegenüber 2023 mit 2,4 Prozent ist die Gesamtquote leicht gesunken – ob das auf die Regulierung des GlüStV 2021 zurückgeht oder andere Ursachen hat, lässt sich aus der Querschnittserhebung allein nicht ableiten.

Der Daytrading-Befund – ein methodischer Paukenschlag

Die markanteste Erweiterung des Survey 2025 war die Aufnahme von Daytrading als eigene Kategorie. Die Studie fragte gezielt nach Frequenz und Intensität des spekulativen Handels mit Aktien, CFDs, Optionen und ähnlichen Instrumenten. Das Ergebnis: 6,5 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten Daytrading betrieben. Unter den monatlich aktiven Daytradern erfüllen 12,1 Prozent die diagnostischen Kriterien einer Glücksspielstörung nach DSM-5.

Diese Zahl ist methodisch und politisch bemerkenswert. Daytrading wird in Deutschland nicht als Glücksspiel reguliert – es fällt unter die Finanzmarktaufsicht der BaFin und unterliegt nicht den Beschränkungen des GlüStV. Wer am Aktienmarkt täglich mehrmals Positionen aufbaut und schließt, hat weder ein 1 000-Euro-Limit, noch eine Pausenregel, noch einen OASIS-Filter. Die psychologische Mechanik ist aber, wie der Survey nahelegt, in einem nennenswerten Anteil der Fälle vergleichbar mit problematischem Spielverhalten. Das eröffnet eine politische Diskussion über die Regulierung des Daytrading, die in der bisherigen Debatte um den GlüStV nicht zentral war.

Was die deutsche Öffentlichkeit über Jugendschutz denkt

Der Survey enthielt auch einen Block zur öffentlichen Meinung. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte gesellschaftliche Klarheit. 91,9 Prozent der Befragten unterstützen das Verbot der Teilnahme Minderjähriger am Glücksspiel. 88,5 Prozent sprechen sich für eine verpflichtende Aufklärung über Suchtrisiken aus. 81,1 Prozent unterstützen verpflichtende Warnhinweise auf Glücksspielangeboten.

Diese Zahlen zeigen, dass die regulatorischen Eingriffe des GlüStV 2021 – Jugendschutz, OASIS, Limits, Warnhinweise – eine breite gesellschaftliche Akzeptanz haben. Das ist kein selbstverständlicher Befund: in vielen Politikbereichen wird Regulierung von einer Mehrheit kritisch gesehen. Im Glücksspielbereich ist die Zustimmung zu Schutzmaßnahmen ausgesprochen hoch und stabil über die letzten Erhebungswellen. Eine vertiefte Einordnung der dazu gehörigen Sperrinstrumente findet sich im Beitrag zur OASIS-Sperrdatei.

Was die Survey-Daten für die Operatoren im lizenzierten Markt bedeuten, lässt sich in zwei Linien zusammenfassen. Erstens: die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen ist real und gibt der Branche keinen politischen Spielraum, um auf Lockerung zu drängen. Wer das LUGAS-Limit, die 1-Euro-Spin-Grenze oder die 5-Sekunden-Pause als „übertriebene“ Regulierung kritisiert, argumentiert gegen 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung. Zweitens: die stabile Quote von 2,2 Prozent problematischer Spieler ist die empirische Basis, auf der das Spielerschutzsystem evaluiert wird. Sinkt sie über die nächsten Erhebungswellen weiter, wird das als Erfolg der Regulierung interpretiert; steigt sie, wird Nachschärfung diskutiert.

Für den einzelnen Klarna-Casino-Spieler ist die wesentliche Botschaft des Survey 2025 nicht statistisch, sondern selbstreflexiv. Wer die DSM-5-Kriterien einmal durchliest und ehrlich antwortet, hat ein vergleichsweise präzises Werkzeug zur Selbsteinschätzung. Die Hotline-Nummer der BIÖG ist nicht für die anderen 97,8 Prozent gedacht – sie ist für die 2,2 Prozent und ihre Angehörigen, die in der Statistik nicht als Zahl, sondern als Lebenssituation auftauchen. Nutzen Sie im Bedarfsfall das deutsche Spielsucht-Hilfe Deutschland – BIÖG, Hotline, Beratung.

Wie unterscheidet sich der Survey 2025 von früheren BZgA-Studien?

Die früheren BZgA-Erhebungen waren nach denselben Standards konzipiert, der Survey 2025 ist methodisch eine direkte Fortsetzung. Neu ist die separate Erfassung von Daytrading-Verhalten und eine erweiterte Stichprobe von rund 12 000 Befragten.

Warum klassifiziert die Studie Daytrading als glücksspielähnlich?

Aus methodischer Sicht wurde Daytrading nicht als Glücksspiel klassifiziert, sondern als zusätzliche Aktivität erfasst. Die DSM-5-Kriterien wurden auf die berichteten Verhaltensmuster angewendet – und ein bemerkenswerter Anteil der Daytrader erfüllt sie.

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